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Das nächste, was ich wahrnahm, war der Geruch von Pfefferminztee in meiner Nase. Ich lag halbwach in dem wohl weichsten und bequemsten Bett, in dem ich jemals geschlafen hatte. Orientierungslos öffnete ich meine Augen. Wo war ich? Wie kam ich in dieses Bett? Warum war es so hell? Und warum trug ich nur BH und Slip?
Als ich meine Augen halb geöffnet hatte, bemerkte ich, dass ich nicht alleine war. Ich blickte auf…und erlebte wohl den größten Schock meines Lebens, bis es mir wieder wie Schuppen von den Augen fiel, was am Abend zuvor geschehen war: Der Club in Berlin; Tom, der mich zum Tanzen aufforderte; die Band; Bill…und was war dann passiert? Verschwommen kamen Bilder auf, dass ich gestern Abend nach einer Weile festgestellt hatte, dass meine Freundinnen den Club ohne mich verlassen hatten, ich mich nicht mehr an den Weg zu unserer Ferienwohnung erinnern konnte, dass Bill mir angeboten hatte bei ihnen zu schlafen, dass Schlafzimmer von Bill, das großzügiges Angebot, ich könne sein Bett haben und er würde auf der Couch schlafen und meine Antwort, dass das Bett groß genug für zwei Personen sei, ich mich auszog, wie ich jetzt war und mich ins Bett legte und einschlief…
Bill, der schon fertig angezogen und mit einem Frühstückstablett neben mir saß, grinste mir zu und wünschte mir einen guten Morgen. Ich fragte mich gerade, wie scjheiße ich wohl gerade aussehen musste, als er mir mitteilte, ich müsse mich beeilen, da die Band gleich losmüsse zu einem Auftritt, denn es sei bereits elf Uhr vormittags.
Ich war schlagartig hellwach. Die anderen machten sich bestimmt schon Sorgen, wo ich war und hatten wahrscheinlich schon lange unseren Begleitlehrer informiert. Das war eine schreckliche Vorstellung. Ich trank einen Schluck Tee und biss einmal von meinem Brötchen ab, dann sprang ich aus dem Bett und begann mich anzuziehen. Der Tag entwickelte sich einfach furchtbar, dabei hatte er doch so schön angefangen, ich mein, bei Bill Kaulitz im Bett? Das war schon was... Bill schaute mir belustigt zu, wie ich im Zimmer hin und her rannte um mich zu richten. Schließlich war ich fertig angezogen und hatte auch meine Haare einigermaßen gezähmt. Ich gab Bill einen flüchtigen Kuss auf die Wange, bedankte mich und war auch schon draußen. Ich hörte kurz, das Bill mir etwas nachrief, aber ich nahm an, dass es nur ein Abschiedsgruß gewesen war und rannte weiter.
Nach einigem orientierungslosen rumrennen, verschiedenen U-Bahnen und unschuldige Bürger nach dem Weg fragen, hatte ich schließlich den Weg zu unserer Ferienwohnung zurück gefunden. Ich zog den Schlüssel aus meiner Tasche, mit dem Gefühl, dass etwas fehlen würde. Doch das störte mich in diesem Augenblick herzlich wenig. Ich schloss die Wohnungstür auf und sah mich vorsichtig um. Niemand war zu hören, geschweige denn zu sehen. Oh mein Gott, dachte ich, die sind bestimmt schon bei der Polizei und suchen nach mir. Ich ging in mein Schlafzimmer und entdeckte dort einen Zettel auf meinem Kopfkissen. Von meiner Zimmerkollegin. ´Hey Ann´, hatte sie geschrieben, ´wir haben uns gestern leider nicht mehr von dir verabschieden können, du warst ja so -beschäftigt-. Als du nicht gekommen, bist haben wir mal angenommen, dass du mit ihnen gegangen bist -und gehofft, dass du deinen Spaß hattest- und haben dem Lehrer heute morgen erzählt, dass du dich nicht gut fühlst und noch schlafen würdest. Also wir gehen jetzt los. Liebe Grüße.´ Oh man, dachte ich, danke Leute. Da habt ihr ja ganze Arbeit geleistet!
Ich wollte mich gerade in mein Bett legen, als mir einfiel, dass meine Eltern schon seit gestern Abend meinen Anruf erwarteten. Also hollte ich mein Handy aus meiner Tasche… besser gesagt, ich wollte es rausholen, doch es war nicht mehr da. Oh Mist, auch das noch, dachte ich, das darf doch nicht wahr sein. Ich konnte mich nicht erinnern, wo ich es verloren haben könnte. Also musste ich meine Eltern noch dringender erreichen. Ich kratzte mein ganzes Kleingeld zusammen, verließ die Wohnung und suchte nach der nächsten Telefonzelle.
Sie war zum Glück nicht allzu weit entfernt. Ich schmiss etwas Geld ein und wählte die Nummer meiner Eltern. Mein Vater nahm ab und ich erklärte schnell die Situation, warum ich mich erst jetzt meldete. Ich erwähnte nebenbei, dass es wohl am Tag zuvor im Club passiert sein musste, meine Tanzpartner und das weitere ließ ich mal vorsorglich weg. Doch mein Vater unterbrach mich schon nach halber Erklärung. Ein gewisser Bill habe angerufen und gefragt, wer dieses Mädchen sei, dem dieses Handy gehörte, sie habe es verloren. Oh oh, dachte ich sofort. Aber mein Vater sagte nichts weiter und so nahm ich an, das Bill nichts von unserer ‘gemeinsamen’ Nacht erwähnt hatte. Das mussten meine Eltern ja auch nicht unbedingt wissen. Ich fragte meinen Vater, ob dieser Bill irgendetwas gesagt habe, von wegen Treffen und Rückgabe, aber anscheinend hatte mein Vater ihn gar nicht mehr zu Wort kommen lassen und sich schon die größten Sorgen gemacht, weil er wusste, dass ich nie freiwillig mein Handy aus der Hand gab. Ich versicherte ihm schnell, dass alles in Ordnung sei und hängte auf. Also hatte Bill mein Handy. Was für ein glücklicher Zufall, dann hatte ich schonmal einen Grund ihn wieder zu sehen, denn ich hatte ja am morgen keine Zeit mehr gehabt ihn in irgendeiner Weise um eine Möglichkeit zu bitten, dass wir in Kontakt bleiben konnten.
Nach einem Moment erleichtertem aufatmens, hob ich den Hörer erneut ab und wählte meine eigene Handynummer. Es klingelte und klingelte und klingelte, doch niemand ging dran. Ich versuchte es erneut. Immer noch nichts. Dann fiel mir wieder ein, dass Bill am morgen von einem wichtigen Termin gesprochen hatte. Ich nahm mir vor, es in etwa einer Stunde noch einmal zu versuchen. Langsam ging ich zurück in die Ferienwohnung, die immer noch verlassen war und legte mich in mein Bett, wo ich auch sofort einschlief.

Geräusche aus Richtung der Tür weckten mich auf. Die anderen waren wieder gekommen und meine Zimmerkollegin hatte kurz reingeschaut um nachzusehen, ob ich wieder da war. Wir grinsten uns kurz zu, während sie den Raum wieder verließ und dem Lehrer zu sagen dass ich mich besser fühlte.
Ich hatte jedoch inzwischen auf die Uhr geschaut und war erschrocken aus dem Bett gesprungen. Ich hatte gerade nicht, wie ich vorgehabt hatte, eine Stunde gedöst, sondern sechs Stunden durchgeschlafen. Ich musste unbedingt Bill anrufen. Ich nahm meine Tasche und war schon fast aus der Türe draußen, als mir wieder einfiel, dass die anderen, besonders aber unser Lehrer, ja dachten, ich sei krank. Also schnappte ich mir noch meine beste Freundin und sagte ich bräuchte dringend frische Luft.
Draußen versuchte ich ihr die Situation zu erklären, doch irgendwie fand ich nicht die richtigen Worte um mich verständlich zu machen. Also eilte ich weiter zu der Telefonzelle, bei der ich auch schon heute Mittag gewesen war. Zuerst wollte ich es auf meinem Handy versuchen, diesmal auch erfolgreich. Bill ging bereits nach dem zweiten klingeln dran. Schon alleine beim Klang seiner Stimme begann es in meinem Bauch zu kribbeln, immerhin war er immer mein Liebling der Band gewesen und jetzt hatte ich ihn getroffen und konnte sogar mit ihm reden. Ich bedankte mich bei ihm, dass er versucht hatte mich zu finden, indem er meine Nummern anrief und entschuldigte mich auch für das Verhalten meines Vaters. Dann machten wir noch aus uns am nächsten Tag auf dem Alexanderplatz zu treffen, was ein noch größeres Schmetterlingsgefühl in meinem Bauch ausbrechen ließ. Ich hoffte nur, dass man meiner Stimme die Aufregung nicht anhören konnte. Ich hängte ein und wählte die Nummer meiner Eltern. Ich sagte ihnen erneut, dass alles in Ordnung sei und dass ich am folgenden Tag mein Handy wieder bekommen würde. Sie sagten noch, ich solle vorsichtig sein. Man das nervte echt, wie besorgt sie immer um mich waren. Als könnte ich, fast erwachsen, nicht selber auf mich aufpassen. Aber ich versprach es und damit beendete ich das Gespräch auch wieder.
Als wir zurück in die Wohnung kamen, zog ich mich erst mal in Bad zurück und duschte. Danach ging ich, unter dem Vorwand, ich würde mich immer noch schlecht fühlen, was ja bei den ganzen Glücksgefühlen in meinem Körper überhaupt nicht stimmte, in mein Zimmer zurück ins Bett. Doch diesmal konnte ich nicht sofort einschlafen. Meine Gedanken kreisten immer wieder um den letzten Abend und das, was wohl morgen auf dem Alex geschehen würde. Und schon waren die Glücksgefühle wieder weg. Ich begann mir die schrecklichsten Dinge für den folgenden Tag auszumalen. Bill, der auf mich zu gerannt kam, mit meinem Handy in der Hand, dann aber an mir vorbei rannte zu einem anderen Mädchen, dass er umarmte und der er mein Handy gab, die sich dann schließlich zu mir drehte und mich auslachte. Irgendwann fiel ich in unruhigen Schlaf.